Wearables & Datenschutz

Warum Sie bei ihrer SMARTWATCH auf mehr, als Ihr Handgelenk achten sollten

Nach wochenlanger Schlie√üung haben nun auch wieder Fitnessstudios ge√∂ffnet. Doch der anfangs gef√ľrchtete Ansturm bleibt aus.¬†Statt Runs auf dem Laufband wird die Runde durch den Park getracked.¬†Wie Sie Ihre Datenkrake im Blick behalten und worauf Sie jetzt achten sollten!¬†Wir haben Ihnen die wichtigsten Facts zusammengefasst.¬†(Lesezeit 5min)

Die Nachfrage an Wearables boomt!

Das Verlangen nach Fitness-Trackern ist ungebremst. Im Jahr 2019 ist der Markt um √ľber 70 Prozent gewachsen, knapp 335 Millionen Ger√§te fanden den Weg √ľber die Ladentheke. Bis 2023 geht man sogar von einem j√§hrlichen Absatz von √ľber 500 Millionen Trackern aus.¬†

Unangefochtener Platzhirsch in dem Segment ist Apple, dicht dahinter folgt die aus Fitness-Armbänder spezialisierte US-Firma Fitbit. Aber auch Unternehmen wie Garmin, Samsung, Huawei oder Xiaomi setzen viele Millionen der kleinen Geräte ab.

 

Vor dem Kauf:

Was sind Wearables?

H√∂rt man den Begriff ‚ÄěFitness-Armband‚Äú, denkt man zun√§chst an Apps mit denen erfasst wird, wie viele Kilometer in welcher Zeit zur√ľckgelegt wurden. Heutzutage bieten sogenannte ‚ÄěWearables‚Äú (Wearable Computing Devices), welche nah am K√∂rper getragen werden, weitaus mehr Funktionen. Mithilfe von Sensoren sammeln diese elektronischen Kleinger√§te Informationen √ľber unterschiedlichste K√∂rper- und Bewegungswerte, messen den Puls, Blutzucker und erinnern daran, genug Wasser zu trunken. S√§mtliche Daten werden √ľber eine Schnittstelle an ein Smartphone oder gleich in die Cloud geleitet. Dazu spuckt der Fitness-Tracker dem Tr√§ger ein bunt aufbereitetes Diagramm zum letzten Workout aus oder informiert √ľber eingehende Anrufe, bevorstehende Termine oder Benachrichtigungen.¬†

Welche Daten werden erhoben? 

Sie haben nichts zu verbergen? Sie wissen ganz genau, welche Informationen Sie frei zur Verf√ľgung stellen? Dann haben Sie …

… ¬†Ihrem Nachbarn heute schon von Ihrem Einkaufsbummel im Erotikshop erz√§hlt? (GPS)
Stellen Sie sich beim ersten Date auch immer als Couchpotatoe vor? (Schrittzähler)
Warum bringen Sie zur n√§chsten Yoga-Stunde nicht gleich die Chipst√ľte mit (Zeitplan),
welche nach jedem Training verspeist wird? (Kalorienzähler)
Liegt es ja am abendlichen Krimi-Podcast (Zugriff), dass Sie so unruhig schlafen? (Schlafanalyse)
Oder kommen Sie in letzter Zeit nur öfter (außer)ehelichen Pflichten nach? (Pulsmesser)

Das geht keinen etwas an. Trotzdem sind entsprechende Auswertungen möglich. Die Gefahr, dass sollten Sie stets im Hinterkopf behalten. 

Zur ‚Äěreinen Funktionalit√§t‚Äú erheben Wearable-Anbieter¬†unter anderem folgende Daten:

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Geschlecht
  • Standortdaten (GPS)
  • Trainingsinformationen (Schrittzahl, Sportart)
  • Gesundheitsdaten (Herzfrequenz, Blutdruck, Puls)
  • Social Media Profile (Facebook, Instagram etc.)

Im Zweifelsfall sollten Sie auf die Nutzung eines Gerätes oder einer App verzichten, wenn sich diese datenschutzwidrig verhält. Erkennbar wird dies, wenn der Anbieter keine Einwilligung zur Datenverarbeitung einholt und die Weitergabe und Nutzung von Anwenderdaten intransparent gestaltet.

 

Beim Kauf:

Wählen Sie Ihren Gesundheitstracker mit Bedacht!

Bereits bei der Auswahl des Ger√§tes sollten Sie den Sitz des Anbieters und dessen Seriosit√§t hinterfragen. Institutionen oder Verbraucherzentralen, wie bspw. das Bundesamt f√ľr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), stellen regelm√§√üig Testergebnisse zu Herstellern sowie Apps bereit. Vor dem Kauf oder der Nutzung eines Wearables sollten Sie folgende Punkte pr√ľfen und, wenn die M√∂glichkeit besteht, selbst Einstellungen f√ľr mehr Sicherheit aktivieren.

Sicherheitseinstellungen aktivieren:

  • Aktivieren Sie, wenn m√∂glich, die Verschl√ľsselung von Daten. Hersteller sollten hierzu Informationen in deren¬†AGB¬†oder Datenschutzbestimmungen anbieten.
  • Stehen regelm√§√üig neue Updates f√ľr das Wearable zur Verf√ľgung? Intsallieren Sie diese umgehend! So kann das Risiko eines erfolgreichen Angriffs minimiert werden.
  • Informieren Sie sich, wo Ihre Anwenderdaten gespeichert werden (am besten auf dem Ger√§t) und an wen Ihre Daten m√∂glicherweise weitergegeben werden (Zugriff durch Dritte).

Voreingestellte Berechtigungen pr√ľfen:

  • Sie haben das Wearable mit einem weiteren Ger√§t, wie beispielsweise Ihrem¬†Smartphone, verbunden? Dabei erhalten die Companion-Apps h√§ufig unerw√ľnschten Zugriff auf die¬†Smartphone-Daten und Funktionen, wie Kontakte oder Standort. Deaktivieren Sie deshalb nicht-erforderliche Berechtigungen.
  • Updates¬†aktualisieren nicht nur sch√ľtzende Einstellungen, oft werden auch √Ąnderungen in der Berechtigungsstruktur aktiviert. Pr√ľfen Sie deshalb die Zugriffsrechte nach jedem Update.
  • Schnittstellen mit anderen kompatiblen Ger√§ten sollten nur aktiviert werden, wenn diese f√ľr die reine Funktionalit√§t zwingend erforderlich sind und verwendet werden.

Sperrcode vergeben:

  • Verhindern Sie unerlaubte Zugriffe durch die Vergabe eines Passwortes.¬†
  • Ist die Vergabe eines PINs nicht m√∂glich, sollten Sie das Wearable gesch√ľtzt aufbewahren, wenn es nicht am K√∂rper getragen wird.

Es liegt in der Selbstverantwortung der Anwender, die AGB und¬†Datenschutzbestimmungen genau zu lesen und die Seriosit√§t des Anbieters zu pr√ľfen, bevor sie einen Vertrag abschlie√üen oder sich f√ľr eine Anwendung entscheiden. Der Verwendung der eigenen Daten zu Werbezwecken kann √ľbrigens jederzeit widersprochen werden. (Art. 21 DSGVO)

 

Nach dem Kauf:

Werden meine Daten vor dem Zugriff durch Dritte gesch√ľtzt?

Ein Blick in die Datenschutzhinweise des Anbieters lohnt sich.

Bereits mithilfe dieser Informationen kann ein persönliches Profil des Anwenders erstellt werden. Durch diesen (freiwilligen) Austausch der Datensätze können sich die Nutzer untereinander vernetzen und miteinander kommunizieren. Zu den bekanntesten Plattformen zählen bspw. Freeletics (Workouts), Runkeeper oder Strava (Lauf- und Radsport). 

Aber auch die jeweiligen Geräte-Anbieter nutzen diese Möglichkeit und räumen sich in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) das Recht ein, die Daten an Dritte weiterzugeben (zu verkaufen). Ein Blick in die Datenschutzhinweise des Anbieters lohnt sich. Dieser ist nämlich dazu verpflichtet, Angaben zur Verwendung erhobener Daten und den Datenkategorien zu machen. Außerdem besteht immer das Recht, die gespeicherten Daten bei den Herstellern anzufragen.

Und wof√ľr verwendet der Wearable-Markt meine Daten?

Das große Potential der Wearable-Branche

F√ľr nahezu keinen sind unsere Daten so interessant, wie f√ľr die Versicherungsbranche. Zahlreiche Unternehmen folgen dem Trend zu individualisierten Versicherungsmodellen mit risikobasierten Pr√§mien und Bonussystemen. Selbst Krankenkassen locken mit unterschiedlichsten Belohnungen f√ľr Mitglieder, die ihre Daten zur Verf√ľgung stellen. Dies sollen nur die ersten Schritte in eine goldene Zukunft sein. Die implementierten Sensoren der elektronischen Ger√§te k√∂nnen Krankheiten fr√ľhzeitig erkennen und die medizinische Versorgung unterst√ľtzen. Vor allem im telemedizinischen Bereich gibt es zahlreiche Entwicklungsm√∂glichkeiten.¬†

Auch produzieren bereits einige Unternehmen mit¬†Sensoren¬†und smarten Fasern best√ľckte Kleidung. Neben den klassischen Gesundheitsdaten k√∂nnen so auch Bewegungs- und Haltungsdaten erfasst werden. Mit dem Laufschuh, ‚ÄěHovr‚Äú hat das Unternehmen ‚ÄěUnder Armour‚Äú im vorherigen Jahr einen Schuh mit eingebautem Chip in der Sohle auf dem Markt gebracht. Das Model liefert sofort Feedback zur Trittfrequenz. Bei bestimmten Sportarten ergibt sich so eine noch nie dagewesene M√∂glichkeit zur Aufzeichnung und Optimierung von Bewegungsabl√§ufen.

Neben jenen positiven Aspekten sind jedoch auch bestimmte Risiken abzuw√§gen, da diese pers√∂nlichen Informationen eben auch f√ľr weitere Zwecke verwendet werden. Insbesondere muss hier das Transparenzprinzip gew√§hrleistet werden. Art. 13 DSGVO besagt dabei, dass die Betroffenen genau informiert werden m√ľssen, welche Daten in welcher Form und zu welchem Zweck verarbeitet werden. Falls risikobasierte Versicherungsmodelle auch im Gesundheitsbereich vermehrt angeboten werden, k√∂nnte es zu tief greifenden Ver√§nderungen in dieser Branche kommen. Sowohl Kunden als auch Versicherer w√ľrden sich l√§ngerfristig solchen Modellen kaum noch entziehen k√∂nnen.

Mit der Nutzung von Fitness-Trackern geben wir nicht nur vielf√§ltige Informationen √ľber unsere Gesundheit preis, sondern kreieren auch ein aufschlussreiches Pers√∂nlichkeitsprofil. Diese Informationen k√∂nnen auch andere Versicherungen interessieren, was schlimmstenfalls zur Folge h√§tte, dass Versicherungsgeber es ablehnen, die betroffenen Personen aufzunehmen. Diese h√§tten dann keine M√∂glichkeit mehr, sich gegen bestimmte Risiken zu versichern.

Fazit:

Die Wearable Industrie wird weiter wachsen und mit deren Fortschritt auch Herausforderungen im Thema Datenschutz f√∂rdern. Bez√ľglich der Datensicherheit bleibt dem User oft nichts anderes √ľbrig, als sich auf die Statements der Hersteller zu verlassen, oder die AGB und Datenschutzerkl√§rung zu beachten. Gerade deshalb ist es wichtig bereits jetzt einen Blick auf die Verwendung der Daten zu behalten.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Bitte zögern Sie nicht uns zu kontaktieren!

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